Doppelter Ärger

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Mit Zwillingswagen unterwegs: Vanessa Kimhaut und Marcel Pohle. Foto: Yüce

Von Maja Yüce – Dortmund. Seit fast einem halben Jahr sind die Fahrgäste der Stadtbahnlinien U 43 und U 44 verärgert. Grund dafür: Die defekte Bahnflotte sorgt für Verspätungen und rappelvolle Bahnen. Wir haben ein junges Paar mit Zwillingskinderwagen auf der Fahrt von Dorstfeld in die Innenstadt begleitet.

 

Sechs Grad. Nieselregen. Seit 20 Minuten stehen Vanessa Kimhaut und Marcel Pohle jetzt schon an der Haltestelle Wittener Straße der Stadtbahnlinie U 43/U 44. Immer wieder beugen sie sich besorgt über ihren Zwillingskinderwagen, fühlen mit den Händen nach, ob es ihre Jungs warm genug haben. Paul und Ben sind vier Monate. Sie waren Frühgeburten, erzählt die Mutter, seien anfällig. Doch die Fahrt in die Stadt müsse sein. „Wir fahren zum Arzt und verbinden das mit einem Einkauf“, sagen sie. Also nimmt das Paar die Tour auf sich: Die lange Wartezeit ist dabei nur eines der Probleme, die es zu bewältigen gilt.

Es wird eng

Als die U44 endlich einfährt und sich die Türen öffnen, sind die Abteile noch leer. Eine Wohltat für das Paar. Doch sie wissen, dass das nicht so bleiben wird. „Spätestens nach zwei weiteren Stopps ist das Abteil voll“, sagt Marcel Pohle. Doch jetzt kommen sie erst mal ohne Probleme zum Stellplatz für Kinderwagen. „Das tut gut“, sagt die Mutter knapp und blickt zufrieden auf ihre Jungs – sie schlafen.
Drei Stationen weiter. Heinrichstraße. Jetzt sieht es in dem Abteil ganz anders aus: Dicht an dicht stehen die Menschen. Marcel Pohle hat sich über den vorderen Teil des Kinderwagens gebeugt, um seine Kinder zu schützen. Denn immer, wenn die Bahn stoppt oder anfährt, kommen die stehenden Fahrgäste ins Straucheln. Zu unsicher findet der Vater. Doch da muss die Familie jetzt durch. „Wir könnten auch mit dem Bus fahren, aber das wäre mit dem Kinderwagen zu umständlich“, erklärt er. Während er erzählt, stoppt die Bahn wieder. Unionstraße. Noch mehr Menschen drängeln sich in die Bahn. Die Tür schließt nicht. Dichter zusammenrücken. Neuer Versuch, dann ist sie zu. Weiter geht die Fahrt.
„Vorsicht bitte!“, sagt Marcel Pohle plötzlich bestimmt. Ein junger Mann rammt mit seinem Rucksack gegen den Kinderwagen. Er reagiert sofort, entschuldigt sich. „So nett sind nicht alle Leute“, sagt Pohle. Manchmal machen uns die Leute keinen Platz, lassen uns mit dem Kinderwagen nicht rein.“
Seitdem die Flotten der Stadtbahnlinien U 43 und U 44 mit weniger Wagen auskommen, sei das so. Anfangs sei es besser gelaufen. „Es waren Servicekräfte im Einsatz, die uns unterstützt haben.“ Doch die seien nicht mehr da, um ihnen oder Menschen mit Einschränkungen zu helfen. „Das vermissen wir“, sagt Marcel Pohle. Dann muss es schnell gehen: Die Vorbereitung für den Ausstieg beginnt bereits bei der Abfahrt am Westentor. Jetzt gilt es, den sperrigen Zwillingswagen in Richtung Ausgang zu bewegen. „Können wir uns bitte arrangieren“, ruft der Vater in die Menschenmasse. Diesmal stößt er nicht auf taube Ohren, die Leute versuchen Platz zu schaffen. „Tschüss, lassen sie sich nicht so quetschen“, ruft das Paar beim Aussteigen. Und Vanessa Kimhaut sagt, dass sie alleine mit den Kindern nicht in die Stadt fahren würde. „Das geht zurzeit nur zu zweit.“

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