Ein Nordlicht auf Streifzug durch Gladbach

Von Delf Gravert – Mönchengladbach. Wie startet man in eine Woche als Tauschreporter, in der man eine fremde Stadt aus einem neuen Blickwinkel betrachten will? Ich habe eine alte Journalistenweisheit befolgt und bin erstmal rausgegangen. Vom Schreibtisch lässt sich Mönchengladbach sicher nicht entdecken.

Erster Eindruck von der Stadt? Grau, nass und ziemlich kalt. Dafür kann Gladbach aber nichts. In Norddeutschland nennen wir so was „Schietwetter“, und im November ist das offenbar auch hier im Westen weit verbreitet. Also ein zweiter Blick: Die Kollegen auf Zeit von der RP-Redaktion empfehlen eine kleine Rundreise. Denn typisch für ihre Heimatstadt sei ihr Abwechslungsreichtum. Über 100 Ortschaften seien im Laufe der Zeit eingemeindet worden, hätten aber oft ihren eigenständigen Charakter bewahrt.

Schick wie in Hamburg

Los geht´s mit einem Rundgang durch die Innenstadt: Die hat Shopping-Freunden viel zu bieten, so mein Eindruck, aber ohne Experte auf diesem Gebiet zu sein. Mit dem Minto gibt es ein Einkaufszentrum, das auch schick genug für die Hamburger Innenstadt wäre. Nur warum stehen eigentlich metallene Esel davor? Und warum sehen sie so betrübt aus? Vielleicht sollen sie zeigen, dass nicht alles glänzend ist. Gleich um die Ecke dominieren Handyshops und Spielhallen das Straßenbild. Es wird nach Pfandflaschen gesucht und gebettelt – so weit so normal für eine deutsche Großstadt.

Delf Gravert
Delf Gravert im Stadion. Foto: Jana Kosky

Fußball, Fußball, Fußball

Nächste Station ist der Borussia- Park. Denn auf die Frage, was Mönchengladbach ausmacht, haben mir bisher alle Gesprächspartner geantwortet, Fußball spiele eine große Rolle. Und das Stadion macht auch einiges her. Meine Begleitung Jana, aktuell Praktikantin bei der RP und gebürtige Mönchengladbacherin, arbeitet bei Heimspielen im Stadion und berichtet von toller Stimmung in der Nordkurve. Ich bin ein wenig neidisch, denn auch wenn aktuell nicht alles rund läuft, die Gladbacher haben in dieser Saison bisher definitiv öfter Grund zum Jubeln gehabt als wir im Norden beim HSV. Im Fanshop gibt es neben den üblichen Trikots und Socken auch Kuscheldecken, Adventskalender und Monopoly-Spiele – sprich alles, was das Fanherz begehrt. Die Mönchengladbacher lieben ihre Fohlenelf offenbar sehr. Jana berichtet auch von Konzerten im Hockeystadion Sparkassen-Park, und ich kann mir gut vorstellen, dass dort im Sommer „der Bär steppt“.

Vom Borussia-Park geht es weiter in Richtung Rheindahlen. Diesen Namen kannte ich schon vorher, das Nato-Hauptquartier war mir ein Begriff. Allerdings dachte ich, es handele sich um eine eigene Stadt und nicht um einen Stadtteil von Mönchengladbach. Tatsächlich erscheint Rheindahlen mir aber auch so – mehr Kleinstadt, als Vorort. Meine Neugierde weckt das Schild „Sternwarte“, vielleicht eine Idee für die kommenden Tage. Hinter Rheindahlen wird Mönchengladbach dann richtig ländlich: Bau und Woof haben dörflichen Charakter, der herbstliche Hardter Wald leuchtet in allen Rot- und Gelbtönen.

Parallele zur Heimat

Ich entdecke eine Parallele zu meiner Heimat: Nicht nur im Stadion gibt es Fohlen, auch sonst sind viele Pferde zu sehen. Auf Schloss Wickrath fühle ich mich dann fast zuhause. Bei uns gibt es auf Schloss Breitenburg eine ähnliche Anlage.

Zwei Fragen haben sich mir bei meiner ersten Rundtour durch Mönchengladbach aufgedrängt: Was ist außer Fußball noch typisch für die Stadt? Und wo arbeiten die Gladbacher eigentlich? Es bleiben vier Tage, um ihnen nachzugehen. Das Rätsel der Esel haben mir die Kollegen schon erklärt.

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