Einkaufen, zweikaufen, dreikaufen

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Stadtführer Bernd Doege (li.), Foto: Andreas Gruhn (re.)

Von Andreas Gruhn – Itzehoe. Reisender, kommst du nach Itzehoe,  wirst du begrüßt mit dem Ortseingangsschild „Die Einkaufsstadt“. Es steht vor einem Media Markt und einem Famila auf der grünen Wiese. Die Stadt schmückt sich mit einem universalgültigen Wiedererkennungssiegel, das so wahrscheinlich auch vor etwa 234 anderen deutschen Städten steht und in diesem Fall auch Teilen der Itzehoer Innenstadt (es gibt Leerstände) nicht ganz gerecht wird. In diesen Tagen aber trifft dieser Slogan vermutlich zu wie sonst nie: Heute eröffnet eine Supermarktkette namens Frauen („Ohne Frauen geht’s nicht!“) einen neuen Super-Edeka im Ort, und Aldi eröffnet einen neuen Wundermarkt mit ganz viel Klimbim. Das klingt doch nach Einkaufsstadt.

 

Was mir Google gestern auf der Suche nach einem Supermarkt aber nicht gesagt hat ist, dass Aldi dafür auch zwei alte Märkte schließt. In denen ich gestern einkaufen wollte. Ich war halt auf der Jagd nach ner Suppenkonserve. Auf der Suche nach einer Alternative wies mir die Suchmaschine den Weg zum örtlichen Marktkauf, weil doch Frauen noch nicht geöffnet hat. Was Google aber nicht verraten hat ist, dass Marktkauf eigentlich keinen richtigen Eingang zu haben scheint. Es liegt in einem Einkaufszentrum, und man fährt von der Tiefgarage die Rolltreppe bergauf, wie ich später herausfinden sollte. Ich bin hier in Itzehoe aber nur zu Fuß unterwegs, und ein offenkundiges Eingangsportal war verdammt noch mal nirgends zu finden. Und so stand ich an der richtigen Adresse unter einer Brücke aus Glas des dazugehörigen Einkaufszentrums und suchte den Marktkauf-Eingang. „Nehmen Se die Blechtür. Da geht’s rein“, riet ein freundliches Nordlicht. Potzblitz, recht hatte er. Einkaufsstadt geht auch dezent.

Diese Vorzüge nordischen Understatements hatte mir mein Stadtführer Berndt Doege vorher nicht verraten. Was er mir aber gesteckt hat: Die Itzehoer wollen das Wasser zurück in die Stadt holen. In den 70er Jahren nämlich wurde die Störschleife zurück gebaut. Der Fluss hatte in den 60ern bei einer Sturmflut das Wasser in die Stadt gebracht. Jetzt gibt’s die Reste nur noch unterirdisch. Das will ein Bürgerverein ändern, indem er Pläne ausarbeitet, die Stör zurück in die Stadt zu holen: „Vielleicht gäbe es den Menschen die Liebe zu ihrer Stadt wieder?“ Wobei ich kaum glaube, dass sie ihre Stadt nicht lieben: „Der Süden ist zwar wärmer, aber hier die Luft besser“, argumentiert mein Stadtführer unwiderlegbar.

Aber: Fluss unterirdisch, Fluss wieder ins Stadtbild zurückholen, Stadt soll attraktiver werden – so würden viele Mönchengladbacher auch ihre Stadt beschreiben. Also alles gut, Itzehoe!

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