Düsseldorf-Challenge Teil 2: Mit nur fünf Euro in der Kö-Boutique

Von Jens Stubbe – Düsseldorf. Tausch-Reporter Jens von der Westfalenpost lernt mit der „Düsseldorf-Challenge“ die Landeshauptstadt und ihre Bewohner kennen. Zweite Aufgabe: Mit fünf Euro in einer Edel-Boutique auf der Kö shoppen.

Die kleinen Preisschilder im Schaufenster scheinen zu sprechen. Sie flüstern eine Botschaft, die sonst nur Dackel mit kurzen Beinen und traurigen Augen vor Fleischer-Fachgeschäften hören. Die Preise flüstern leise, aber doch klar und unmissverständlich: „Du musst leider draußen bleiben.“

Die traurige Botschaft beruht auf harten Fakten: mehr als 200 Euro für einen einzigen Schal, die Buxe an der dürren Puppe hoch im dreistelligen Bereich und der passende Mantel, der das Gesamtkunstwerk abrundet, weit über 1000 Euro.

Frontal-Angriff auf zwei nette Verkäuferinnen

Innehalten. Grübeln. Handeln: Ich muss mal eben meinen Chef anrufen – wegen der ebenso überfälligen wie verdienten Gehaltserhöhung. Und dann noch meine Frau, den wahren Boss, um ihr eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung unter den neuen Vorzeichen – höheres Einkommen, steigende Ausgaben – zu präsentieren.

Erreiche beide nicht. Also ignoriere ich das Flüstern und starte den Frontal-Angriff: Mit läppischen fünf Euro in der Tasche in den noblen Klamotten-Laden. Rein, Charme-Offensive, lächeln: „Ich bräuchte da was für kleines Geld. Für fünf Euro vielleicht…“

Yvonne Spoo und Marion Eurich heißen die beiden Damen, die so geduldig sind, wie ein Sherpa mit einer Handvoll Touristen am Fuße des Mount Everest. Sehr nette Verkäuferinnen, spezialisiert auf Kunden mit goldenen Karten. Zwei Frauen, die dem Schluffi aus Westfalen auf den ersten Blick ansehen, dass er in der Boutique „Milian“ so viel verloren hat, wie der Elefant im Porzellanladen: sportliche Winterjacke (vierte Saison), Jeans von der Stange (ausgewaschen, fast mit Loch), mausgrauer Schal (ein Weihnachtsgeschenk) – diesem Typ (43) ist nicht zu helfen.

Nicht mal für eine Socke reicht das Geld

Sie lächeln, und sie versuchen’s trotzdem. „Für fünf Euro? Da haben wir leider nichts, aber…“ – So leicht gibt sich der Westfale nicht geschlagen: „Nicht mal ein paar Socken?“ – „Nicht für Herren. Nur Strümpfe für Damen. Die kosten allerdings 240 Euro.“ – „Und wenn ich nur einen nähme?“ – „Nicht mal mit Rabatt!“

Socke geht also nicht. Dafür, so garantieren sie, könnte ein Belgier mich aufpäppeln – nur modisch, versteht sich. Dries van Noten heißt der Designer. Wir kennen uns nicht persönlich. Die Damen aber legen mir die hohen Künste des Herrn ans Herz und ans Portemonnaie. „In dessen Kleidung könnte ich Sie mir gut vorstellen“, sagt Yvonne Spoo, „aber wenn wir sie da richtig in die Mangel nehmen, wird’s ganz schnell vierstellig.“

Nur ganz langsam löst sich der Würgegriff, der sich bei dieser Preisperspektive unsichtbar um meinen Hals gelegt hat. Vor meinem geistigen Ohr wähle ich noch einmal. Die Nummer meines Chefs und die von meinem wahren Boss. Kein Anschluss unter dieser Nummer.

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