Von Günna gelernt

Von Kay Müller – Dortmund. Fast hatte ich es geschafft. Nach vier Tagen in Dortmund hatte ich viele Klischees, die ich als Schleswig-Holsteiner vom Ruhrgebiet im Kopf hatte, für mich auflösen können. Im Westfalenstadion habe ich gesehen, dass nicht alle, die dort arbeiten, auch militante BVB-Fans sein müssen.

Ich habe gelernt, dass die Erinnerung an den Bergbau zwar zu spüren ist, aber das alltägliche Leben der Dortmunder kaum noch berührt. Und ich habe erkannt, dass Bier zwar durchaus ein gängiges Getränk ist, dass Pils aber auch nicht mehr Bedeutung als in anderen Städten hat.

Aber dann kam Günna.

„Den müssen Sie auf jeden Fall sehen, da erleben Sie den Ruhrpott in Reinkultur“, sagte mir ein Chefredakteur dieser Zeitung. Ein Fehler, denn nach zwei Stunden Programm von Bruno „Günna“ Knust bin ich mir sicher, dass doch alle Klischees stimmen. Dass der Dortmunder immer schnelle und ehrliche Worte findet. Dass jeder Geschichten von Oppa erzählen kann, die vielleicht nicht unbedingt stimmen, aber stets unterhaltsam sind. Und irgendwie bin ich froh, dass die Menschen offenbar doch ein wenig so sind, wie ich es mir vor meinem Besuch in Dortmund erhofft habe.
Allerdings: Ein Klischee hat Günna zerstört. Ich hatte immer gedacht, dass der Dortmunder viel mehr redet als etwa der Flensburger, von dem man ja das Klischee des wortkargen Norddeutschen aus der entsprechenden Bierwerbung kennt. Doch in Flensburg wäre ein typischer Dialog:

„Moin.“
„Moin.“
„Na, wie hast Du das?“
„Muss ja.“
„Sollst Du denn heute noch arbeiten:“
„Muss ja.“
„Na denn: Ersma.“
„Yo, moin.“
In Dortmund – habe ich von Günna gelernt – kann man das noch ökonomischer ausdrücken:
„Und?“
„Muss. Selber?“
„Auch.“

Muss ich unbedingt mal zu Hause ausprobieren.

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