Zwischen Matjes, Moin und dänischen Fans

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Andreas Gruhn und Wiebke Karla waren zu Gast beim SHZ in Itzehoe und Flensburg. Ihre Bilanz auf der Schleswig-Holstein-Seite vom 12. November.

Der Kollege in Flensburg nannte es „den Einfall der Barbaren“ – vermutlich hatte er genau damit gerechnet. Eine Woche lang haben sechs regionale Medienhäuser in Deutschland je zwei Reporter auf Reisen geschickt. Vom Reportertausch 2016 blieb auch Schleswig-Holstein nicht verschont. Andreas Gruhn von der „Rheinischen Post“ in Mönchengladbach machte Itzehoe und Umgebung unsicher, Wiebke Karla („Ruhr Nachrichten“ in Dortmund) fiel in Flensburg ein. Das sh:z-Medienhaus steht noch, die Auflage ist in dieser Woche nicht dramatisch eingebrochen. So weit so gut. Doch was bringt so etwas? Was haben wir, was haben Sie als Leser eigentlich davon? Eine Bilanz.

Was nehmen wir mit?

Andreas Gruhn: Auf jeden Fall die Ruhe und Gelassenheit der Menschen hier. Das hat mich schon beeindruckt.
Außerdem: die Erkenntniss, dass das Rheinland nicht der Nabel der Welt ist – auch wenn wir das als Rheinländer manchmal glauben.

Wiebke Karla: Viele ganz praktische Dinge wie eine neue Infografik-Online-Rubrik. Einen distanzierten Blick auf die Abläufe und Strukturen in der Heimat. Aber vor allem Offenheit. Und das, so glaube ich, ist das Wichtigste in unserem Job. Sich auf neue Dinge einlassen zu können. So wie sich die Kollegen hier auf mich eingelassen, mich warm empfangen haben. Danke dafür.

Was hat der Austausch Ihnen als Leser gebracht?

Andreas Gruhn: Vor meiner Ankunft hatte ich gelesen, dass die Menschen in Schleswig-Holstein die glücklichsten in Deutschland sind. Ich habe in Itzehoe, Wilster, Wilstermarsch, Glückstadt und Marne nach den Anhaltspunkten gesucht und Matjes mit Schokolade, die tiefste Landstelle Deutschlands, eine schmucke Innenstadt mit Problemzonen und eine raue Landschaft mit viel Marschland gefunden und darüber geschrieben. Alles schön. Aber ich glaube eher, dass es an der Einstellung zu den Dingen liegt, dass es den Holsteinern einfacher fällt, zufrieden zu sein. Geduld ist auch eine Form von Glück.

Wiebke Karla: Ich war leider nicht im Kraftfahrtbundesamt, um herauszufinden, wo die Punkte in Flensburg liegen und wer sie sammelt. Ich wollte unbedingt eine dänische Schule besuchen, ich hatte fest vor, etwas über die Ostseefischer und die Dorsche zu schreiben. Doch ich habe BVB-Fans in Dänemark getroffen, die US-Wahl aus der Perspektive der Amerika-Gesellschaft Schleswig-Holstein erlebt, Martin Schulz bei Ralf Stegner besucht, mich mit Vor- und Nachteilen der Zweisprachigkeit in der Region beschäftigt. Weil, und das habe ich hier auch gelernt: Ein fremder Blick ist nur gut, wenn er sich nicht starr auf etwas richtet, auf das man sich schon vorher fokussiert hat.

Wie fühlt sich der Reporteraustausch an?

Wiebke Karla: Schleswig-Holstein fühlt sich im Vergleich zu NRW flächenmäßig riesig an. In Flensburg – der Stadt des „Plops“ – habe ich mich sehr wohl gefühlt, nicht nur weil in meiner Heimatstadt Bochum unser Bier auch in Bügelflaschen verkauft wird. Es war eine einmalige Chance, ein anderes Medienhaus hautnah zu erleben.

Andreas Gruhn: Bis vergangenen Montag hatte ich noch nie jemandem nach 11 Uhr „Guten Morgen“ gesagt. Jetzt weiß ich: Man kann es auch noch am Abend tun. Ich habe aber gemerkt: Jedes „Moin“ ist ernst gemeint, war überrascht, wie oft ich auf der Straße von entgegen kommenden Menschen mit diesem Wörtchen begrüßt wurde. Als ich bei einem Herrn nachfragte, warum er mich grüßte, sagte er mir: „Ja warum denn nicht?“
Die Texte aller Reporter können Sie im Internet nachlesen unter:
 www.reportertausch.de

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