Rostock, do alaaf you?

Von Tobias Jöhren – Rostock. Mein letzter Tag in Rostock ist nicht irgendein Tag. 11. November – oder Elfter im Elften, wie der Kölner sagt. Fünf Jahre Studium in der Domstadt haben Spuren bei mir hinterlassen. Ja, ich bin Jeck aus Überzeugung. Und ich will in Rostock Karneval feiern. Bis zum Mittag habe ich Zeit, dann rollt mein Zug in Richtung Heimat. Ein Selbstversuch.

8 Uhr: Der erste Blick geht aus dem Fenster. Kaiserwetter wie aus dem Bilderbuch. Seit vergangenem Sonntag bin ich jetzt hier. Schnee, Wind, Regen, Kälte: Ich hab alles mitgenommen in Rostock. Aber heute strahlt die Sonne, als wäre sie der glücklichste Stern im All. Petrus in Partylaune. Alles wird gut!

9 Uhr: Nach Frühstück und Dusche schlüpfe ich in das schlechteste Kostüm meiner persönlichen Karnevals-Laufbahn: Karlo Kolumna. Sie wissen schon, der rasende Reporter aus Benjamin Blümchen. Na ja.

9.30 Uhr: Auf meinem Handy trudeln die ersten Bilder aus Kölle bei Whatsapp ein. Hier ein dicker Erpel, da ein glitzerndes Einhorn, dort ein Rotkäppchen mit Vollbart. Die alte Truppe aus dem Studium hat sich für ein Gruppenkostüm entschieden: die Gummibärenbande. Vielleicht ist es ganz gut, dass ich in Rostock bin.

10 Uhr: Ich ziehe los. Der Ohrwurm in meinem Kopf trällert fröhlich sein Liedchen: „Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all parat, un mer trecke durch die Stadt, un jeder hätt’ jesaat: Rostock alaaf, alaaf – Rostock alaaf!

10.03 Uhr: Es läuft. Ich wähne die ersten Jecken in Sichtweite. Eine etwa 20-köpfige Horde lustiger Knirpse hat sich als Schulkinder mit Warnwesten verkleidet. Das ist mal ein Gruppenkostüm! „Rostock alaaf“, grüße ich wild winkend. Ungläubige Blicke durchbohren mich als Antwort.

10.17 Uhr: Ich erreiche mein erstes Etappenziel. Das Kölsch- und Altbierhaus in der Wokrenterstraße. Hier muss er doch toben, der Karneval. Was folgt, ist nacktes Entsetzen: Der Laden hat zu. Tür verschlossen. Geöffnet ab 16 Uhr. Der Kölsch-Laden (!) hat zu. Am 11.11. Kurz vor 11.11 Uhr.

10.34 Uhr: Auf den Schock folgt die Erleichterung. Ich höre Musik, ich wittere Tanz. In der Kröpeliner Straße treffe ich Gleichgesinnte. Tanzende Jecken von Klein bis Groß, alle froh in Weiß-Blau-Rot. Herrlisch! Sogar das Prinzenpaar kütt vorbei und grüßt: Sascha I. und Jessy I. schmeißen Kamelle aus einem schwarzen Cabriolet – endlich normale Leute!

11.11 Uhr: Wir, also die Jecken, erreichen das Rathaus. Her damit! Der Prinz macht kurzen Prozess mit Bürgerschafts-Vizepräsident Frank Giesen (CDU) und erobert die prachtvolle Hütte im Handumdrehen. Der Bürgermeister ist sicherheitshalber gar nicht erst gekommen. Eine Büttenrede und ein paar knackige Sprüche später ist der Schlüssel unser. Darauf können wir aufbauen! Hier geht was. Rostock alaaf! Oder halt: Rostock ahoi!

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