Düsseldorf-Challenge (4): Kein neuer Name für Dümpeldorf

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Nee, watt schön: Der Rhein! Wäre der nicht ein guter Namensgeber für Dümpeldorf – Pardon, Düsseldorf? Foto: Anne Orthen

Von Jens Stubbe – Düsseldorf. Warum heißt Düsseldorf Düsseldorf? Dieser Frage geht Austausch-Reporter Jens von der Westfalenpost Hagen bei der vierten „Düsseldorf-Challenge“ nach. Die Herausforderung: Überzeuge die Düsseldorfer, dass der Name „Rheinstadt“ der bessere ist.

Ab auf die Brücke: kein Hinweis, kein Wort. Nicht einmal ein kleines Schildchen weist an dem völlig verrosteten Geländer darauf hin, welcher Fluss da unter meinen Füßen liegt. Nicht irgendein unbedeutendes Rinnsal, kein Bächlein. Es ist das nördliche Ende des Flusses, der Namenspate für die Landeshauptstadt ist.

Wobei Fluss… Hier fließt nichts. Die Düssel könnte auch Dümpel heißen. Sie dümpelt hier nur so vor sich hin. Also: Dümpeldorf. Fürchterlich, traurig, trostlos…

Die Düssel ist dieser Stadt nicht würdig

Enten erledigen achtlos ihr großes Geschäft an der Dümpel. Dreiste Möwen und hässliche Raben kloppen sich am Dümpel-Ufer um ein paar Brotkrumen. Krümel, die eine altersschwache Rentnerin nicht mehr bis ins Wasser werfen kann. Und nicht einmal der kläffende Foxterrier eines Spaziergängers, der aus den Armen seines Besitzers sein Ego an mir abarbeitet, verschwendet an diesem tristen Novembermorgen einen Blick auf die Dümpel.

Die Dümpel ist im Vergleich zu anderen Flüssen so kurz wie ein Mäusepups. Am Ende endet die nördliche Dümpel so, wie es zu erwarten ist: Vor einem trockengelegten Tümpel verschwindet sie einfach in einem braunen Gitter. Weg, futsch, einfach weggedümpelt im Angesicht des Kö-Bogen-Tunnels. Auf Nimmerwiedersehen.

Der andere Fluss dagegen…

Und dann gibt es da noch diesen breiten, diesen prächtigen, diesen würdevollen Fluss, der ehrfurchtsvoll mit „Vater“ angesprochen wird und der Stolz der ganzen Nation ist. Die traumhaft schöne Altstadt schmiegt sich sanft an diesen liebevollen Vater heran. An seiner Promenade lässt es sich prächtig wandeln. Und an den weiten Wiesen an seinem Ufer feiern die Einwohner sogar Volksfeste.
Der Rhein dümpelt nicht. Er gleitet dahin, er nimmt einen mit, er fließt. Warum also heißt Düsseldorf nicht „Rheindorf“? Oder noch viel besser „Rheinstadt“?

Keine Mehrheit für den neuen Namen

„Völlig bekloppter Vorschlag.“ Marcel Rowinski schüttelt den Kopf. „Düsseldorf ist eine Marke.“ Er hat mich nicht verstanden. Ich beharre: „Guck dir die Dümpel doch mal an…“ Rowinski: „Rheinstadt kann jeder. Die Düssel unterscheidet uns von Köln.“

Zweiter Versuch: „Rheinstadt statt Düsseldorf?“ An Ewiggestrigen prallt der innovative Westfale ab wie ein Gummi-Flummi an einer Betonwand: „‚Düsseldorf‘ ist schöner“, sagt Renate Kelch. „Das war schon immer so.“

War so. Sollte aber nicht so bleiben. „Umbenennen? Auf keinen Fall. Düsseldorf klingt richtig nett“, sagt Ille Cartellieri. Und ihr Mann Peter nickt.

Die Düsseldorfer sind noch nicht reif für innovative westfälische Ideen. Dafür offen, humorvoll und mit dem Herz am rechten Fleck.

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