Ich komme noch mal wieder

Von Delf Gravert – Mönchengladbach. Ich könnte zum Abschied schreiben, ich hätte schon immer mal nach Mönchengladbach gewollt. Stimmt aber nicht. Die Stationen für den Reportertausch wurden ausgelost und wäre es nicht so gewesen, hätte ich Mönchengladbach vermutlich nicht gewählt. Nicht, weil ich etwas Negatives mit der Stadt verbunden hätte, sondern weil ich außer Fußball praktisch nichts mit ihr verbunden habe. Und jetzt? Was bleibt im Gedächtnis nach einer Woche als Gastreporter am Niederrhein?

  1. Gladbach hat Besuchern durchaus viel zu bieten – nicht nur fußballerisch: Interessante Museen, ein abwechslungsreiches Kulturangebot, schöne Schlösser und Kirchen und eine spannende Geschichte. Dazu ist das Umland landschaftlich reizvoll. Ich habe nur einen Teil dessen gesehen, was mich gereizt hat. Würde nicht mein Schreibtisch in Itzehoe auf mich warten, hätte ich locker noch eine Woche spannende Themen verfolgen können.

gravert2.Verstanden habe ich als Nordlicht endlich mal, warum die Rheinländer eigentlich Karneval feiern. Das jecke Treiben wurde mir in der Karnevalshochburg Mönchengladbach als generationsübergreifendes Vergnügen, das ein Stück weit die Gesellschaft zusammenhält, erklärt. Wenn es denn so funktioniert und im besten Fall noch integrierend wirkt, kann man den Gladbachern da nur viel Spaß in der fünften Jahreszeit wünschen. Und uns norddeutschen Spaßbremsen vielleicht auch mal ein wenig Karnevalsfeeling.

3. Am meisten beeindruckt haben mich aber die engagierten Menschen, die ich getroffen habe und die mir – hier sehe ich das Klischee vom Rheinländer durchaus bestätigt – sehr offen und freundlich begegnet sind. Mein Einblick ist natürlich nicht repräsentativ, aber ich gehe mit dem Gefühl, dass es um Mönchengladbach ganz gut bestellt ist wegen dieses Engagements. Egal, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig, in der Stadtbibliothek in Rheydt, im Karnevals- oder im Stadthistorischen Museum oder bei der Sternwarte in Rheindahlen – es gibt in Mönchengladbach Bürger, die sich ein- und damit ihre Stadt voranbringen. Darüber können die Gladbacher froh sein, denn mit solchen Menschen lassen sich auch die Probleme, die Mönchengladbach wie jede Großstadt zweifellos hat, lösen.

4. Last but not least hat sich der Besuch für mich auch beruflich gelohnt. Unsere Branche befindet sich in einem großen Umbruch, muss sich zum Teil neu erfinden, zum Teil Bewährtes bewahren. Im oft hektischen Alltagsgeschäft bleibt meist wenig Zeit für die eigentlich notwendige selbstkritische Reflexion der eigenen Arbeit. Da hilft es, mal über den Tellerrand zu blicken. Während ich in der vergangenen Woche beobachtet habe, wie meine Kollegen auf Zeit von der RP arbeiten, habe ich mehr über die Norddeutsche Rundschau, ihre Leser, ihre Ausrichtung, ihren Aufbau und die Balance von Print und Online nachgedacht, als ich es sonst vermutlich in einem oder zwei Monaten tue und vielleicht auch das eine oder andere erkannt, was wir in Itzehoe in Zukunft besser machen können.

Nach einer Woche als Gastreporter kann ich daher sagen, hat man die Wahl, sollte man sich für einen Besuch in Mönchengladbach entscheiden. Ich werde irgendwann noch mal wieder kommen, um die Stadt noch ein bisschen besser kennenzulernen und das, wofür in der vergangenen Woche keine Zeit blieb, nachzuholen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s