Anwohner des Dortmunder Horrorhochhauses leiden weiter

 

innenstadt-horrorhaus-kielstrase-foto-bandermann-7
Das „Horrorhochhaus“ in Dortmund steht seit 14 Jahren  leer.  Foto: Bandermann

Von Maja Yüce – Dortmund. Im April hatte die Stadt Dortmund mitgeteilt, dass man beim nötigen Kauf der Wohnungen in dem als Horrorhochhaus bekannt gewordenen Gebäudeklotzes an der Kielstraße 26 in der Nordstadt kurz vor dem Ziel sei. Wir haben nachgefragt.

Der als Horrorhochhaus bekannt gewordene Wohnkomplex in der Kielstraße 26 in der Nordstadt steht seit mehr als 14 Jahren leer. Anwohner leiden unter der Schrott-Immobilie. Eine Nachbarin, die seit 35 Jahren in der Kielstraße lebt, sagt, dass immer wieder Menschen ins Gebäude eindringen und dort übernachten. Ein gefährliches Unterfangen, denn die Schrottimmobilie (18 Etagen) ist teils zugemauert: „Die Leute klettern über die Balkone da rein“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Da es in dem Haus keine Heizung mehr gebe, würden Obdachlose und Drogenabhängige darin Feuer entzünden, um sich zu wärmen.

Das Gebäude und die Probleme damit seien der Polizei bekannt, sagt Polizeisprecher Kim-Ben Freigang. Doch gebe es dort derzeit keine große Problemlage. Grundsätzlich handele es sich bei der Nordstadt aber um ein Multiproblemviertel. Freigang rät Anwohnern, die 110 zu wählen, wenn sie eine bedrohliche Situation – nicht nur an dem Gebäude – beobachten.

102 Wohnungen gehören 44 Eigentümern

Die Stadt komme derweil dem Vorhaben immer näher, die Wohnungen zu kaufen, sagt Pressesprecherin Heike Thelen. Kein leichtes Unterfangen: Die 102 Wohnungen gehören 44 Eigentümern, einige davon sitzen im Ausland, mussten in detektivischer Kleinarbeit ermittelt werden (wir berichteten). Im April verkündete die Stadt schließlich, was den nötigen Kauf der Wohnungen angehe, kurz vor dem Ziel zu sein. Klärungsbedarf bestehe noch bei etwa einer Handvoll Wohnungen. Eine genaue Zahl nennt die Stadt aber nicht.

„Wir sind guten Mutes, dass es klappen wird“, betont Thelen. Und meint damit: Entscheidung noch in diesem Jahr und Abriss 2017. Die Stadt Dortmund, das Projektteam des Stadtamtes für Wohnen und Stadterneuerung, führe weiter Verhandlungen und Gespräche mit den Eigentümern, die sie bisher ausfindig machen konnten, so Thelen. Man sei dabei, den Weg für den Kauf zu ebnen.

Für die Anwohner bedeutet das vor allem eines: Sie müssen sich noch länger in Geduld üben. Etwas, was nicht allen leicht fällt. „Durch den hässlichen Klotz verlieren unsere Häuser an Wert“, so ein verärgerter Anwohner. Auch er will seinen Namen nicht nennen. „Hier gibt es einfach zu viel Kriminalität“, sagt er knapp.

Haus sollte  schon 2012 gesprengt werden

Bereits 2009 hatte die Stadt angekündigt, dass das Hochhaus 2012 gesprengt werden sollte. Doch kam es immer wieder zu Verzögerungen.

Grund dafür: Selbst eine Schrott-Immobilie, deren Wohnungen quasi wertlos sind und unter der die Nachbarschaft leidet, kann die Stadt nicht ohne Zustimmung der Eigentümer abreißen. Letztlich wird der Rat der Stadt das letzte Wort haben: Er muss der Übernahme und dem Abriss zustimmen. Maja Yüce

Hintergrund:

  • 1969 wurde das Haus fertig gestellt.
  • 1993 wurden die Mietwohnungen der VEBA in Eigentumswohnungen umgewandelt und bundesweit als Geldanlage vertrieben.
  • 2002 ließ die Stadt das Gebäude aus Sicherheitsgründen räumen. Die Stadt ließ alle Eigentümer ermitteln (darunter Banken) und die Zukunftsfähigkeit des Hochhauses zu untersuchen. Ergebnis: wirtschaftlich nicht wiederzubeleben.
  • Unterm Strich kalkuliert die Stadt für das Projekt „Horrorhochhaus“ mit Gesamtkosten von rund 2,5 Millionen Euro. Es soll Fördergeld aus verschiedenen Töpfen von Land, Bund und EU fließen.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s