Älteste Pathologie Deutschlands: Hilfe für die Lebenden

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Das Mikroskop ist eines der Hauptarbeitsmittel der Pathologen: Prof. Irina Berger, Leiterin des Instituts für Pathologie am Klinikum Kassel. Foto: Hinz

Torben Hinz – Kassel. Im Fernsehkrimi stehen Pathologen gerne mit dem Kaffeebecher in der Hand neben dem Mordopfer am Seziertisch im Keller und reißen Witze. Mit der Realität hat das allerdings kaum etwas zu tun, sagt Prof. Irina Berger, Leiterin der 1779 gegründeten Kasseler Pathologie – der ersten in Deutschland. Heute ist sie Bestandteil des Klinikums.

Gewaltopfer zu sezieren ist hauptsächlich die Aufgabe der Rechtsmediziner. Pathologen bekommen es zwar auch hin und wieder mit Leichen zu tun, vor allem aber helfen sie den Lebenden. Zum Beispiel während ein Patient noch narkotisiert auf dem OP-Tisch liegt. Denn häufig weiß ein Chirurg zu Beginn der Operation nur, dass etwas nicht stimmt, etwa weil ein Tumor gefunden wurde. Kassels Pathologen können mithilfe einer Gewebeprobe in nur 18 Minuten bestimmen, ob dieser Tumor gut- oder bösartig ist und ob er wirklich vollständig entfernt wurde. „Das ist wirklich sehr schnell“, sagt Berger.

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Damit die Gewebeproben untersucht werden können, müssen sie von Assistenzarzt Max Kamm zuvor zugeschnitten und präpariert werden. Foto: Hinz

In der Regel gehen die Diagnosen der Pathologen nach 24 Stunden raus. Darauf aufbauend erstellt der behandelnde Arzt dann die Therapie beziehungsweise passt diese an den Patienten an – „maßgeschneidert“, sagt Berger. „Pathologen machen erst eine zielgerichtete Behandlung möglich.“ Und das bei fast jeder Erkrankung. Davon profitieren zum Beispiel auch Menschen mit einer Entzündung, Stoffwechsel- oder genetischen Erkrankung.

Pro Jahr erstellen die mehr als 50 Mitarbeiter des Instituts 60.000 Diagnosen. „Unser Hauptarbeitsmittel ist nicht das Messer, sondern das Mikroskop und zunehmend der Computer“, sagt Irina Berger. Und: „Ohne die Pathologie wäre der Krankenhausalltag überhaupt nicht denkbar.“ Das Einzugsgebiet der Kasseler Pathologen umfasst neben Hessen auch Bayern und Sachsen, ab Januar sollen Kliniken in Österreich dazukommen. Dank moderner Technik können die Spezialisten mittlerweile Ferndiagnosen erstellen.

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