Der fremde Blick auf Siegen

Von Jean-Charles Fays – Siegen. Eine Woche als Tausch-Reporter heißt, sich auf das Unbekannte, Ungewisse und Fremde einzulassen. Die Siegener Berge haben mich vom ersten Moment fasziniert.

Ich bezwang sie zusammen mit dem hiesigen ADFC-Vorsitzenden und schilderte das riesige Pedelec-Potenzial, das mit elektrischer Tretunterstützung ausgestattete Fahrräder für eine Stadt haben, in deren Kerngebiet sieben mehr als 300 Meter hohe Berge liegen. Auch die langen Laufrunden am Morgen auf schneebedeckten Bergen werde ich vermissen. Die Einheiten gaben Kraft für den Tag oder die Nacht – wie etwa die lange US-Wahlnacht.

Die Westfalenpost-Redaktion hatte mich zur „Election Night Watch“ der Amerikanistiker an der Uni Siegen geschickt. Es sollte die spannendste Wahlnacht werden, die ich je verfolgt habe. Von Dienstagabend 20 Uhr bis zum nächsten Morgen um 7.30 Uhr schrieb ich einen Live-Ticker mit Beiträgen im Zehn-Minuten-Takt, der mich und die Leser das Geschehen noch intensiver erfahren ließ und deren Ausgang am Ende die Studenten, die Dozenten, mich und wohl auch die meisten Leser in kollektive Schockstarre versetzte. Ein Live-Ticker von einer US-Wahl war für Siegen neu. Die Live-Kommentare und Analysen der Amerika-Experten zu entscheidenden Bundesstaaten hat den Siegenern eine solche, für die Weltpolitik so bedeutende Wahl sicher auf eine neue Art und Weise näher gebracht.

Neue Impulse bekam auch ich durch die Art und Weise der Blattkritik, mit der die kleine Siegener Lokalredaktion ihre eigene Arbeit täglich kritisch reflektierte. Natürlich hinterfragen wir auch in dem größeren Team meiner Osnabrücker Heimatredaktion täglich unsere Arbeit, stellen Positives und Negatives heraus, aber der besondere Fokus auf einige Aspekte und der unmittelbare tägliche Vergleich mit der Konkurrenz – die mit der Siegener Zeitung übrigens direkt vis à vis liegt, war mir neu. Solche neuen Eindrücke sind wertvoll, tragen zu Qualitätsjournalismus bei und machen unseren Journalismus noch besser.

Und deshalb ist das innovative Projekt, das die Chefredakteure der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ), des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (SHZ), der Rheinischen Post (RP), der Westfalenpost (WP), der Ruhr Nachrichten (RN) und der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) angeregt haben, so spannend für unsere Leser und so wichtig für unsere Branche.

Fest steht, dass diese Woche mich um ein großes Abenteuer reicher gemacht. Doch fest steht auch, dass ich mich auf die Heimat freue, um die vielen neuen Erfahrungen mit meinen Kollegen teilen zu dürfen. Denn – das wissen die Leser dieser Zeitung am besten – zu Hause ist es doch immer am schönsten.

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