Schwarz-Gelbe Liebe grenzenlos

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Von Wiebke Karla – Flensburg. Der BVB hat ungezählte Fanclubs in der ganzen Welt. Aber nur einen in Dänemark. Jedenfalls nur einen offiziellen. Seit 2013 gibt es die BVB-Fraktion Dänemark, seine Mitglieder leben verstreut über das ganze Land hinweg. Aber auch in Deutschland, in Flensburg, Sie alle eint das Leben in schwarz-gelb. Und das ist gar nicht so leicht.

Aabenraa, oder auch Apenrade, 30 Kilometer hinter Flensburg, in Dänemark. 15.967 Einwohner, ein kleiner Amateur-Fußballverein – der Aabenraa Boldklub.  Es ist früh am Morgen, Ruhe liegt über den kleinen Häusern und dem Meeresarm. Der Vorstand der BVB-Fraktion Dänemark trifft sich heute ausnahmsweise schon vor der Arbeit. Genau 531 Kilometer vom „Tempel“, vom Signal Iduna Park in Dortmund entfernt.

„Wenn wir auf der Südtribüne stehen, werden wir oft mit den ,Eventis´ – den Touristen – in einen Topf geworfen“, erzählt der Fraktions-Vorsitzende Thore Naujeck. „Das sind keine echten Fans, die wollen nur einmal in ihrem Leben auf der Südtribüne gestanden haben und sind dann zufrieden.“ Doch die BVB-Fraktion in Dänemark lebt den Verein genauso, wie es die Fans in Dortmund tun. Sie fiebern mit, wenn das Derby ansteht, reisen wann immer möglich die vielen Hunderte Kilometer zu den Spielen, treffen sich zum gemeinsamen schwarz-gelben Fernsehabend. Und das ist gar nicht so leicht, schließlich leben die Mitglieder des Clubs überall im Lande Dänemark. Da muss man für den BVB-Abend schon mal drei Stunden hin und drei Stunden zurück in Kauf nehmen.

„Auswärtskarten bekommen wir leider gar nicht“, bedauert Naujeck. Die wenigen Karten für die Auswärtsblöcke der BVB-Fans gehen an andere, größere und traditionsreichere Clubs. Nicht an die Dänen mit ihren 35 Mitgliedern. Doch die sind – irgendwie ganz dänisch – darüber ganz unaufgeregt. „Immer, wenn wir Karten für Heimspiele wollten, haben wir sie auch bekommen“, sagt Fraktions-Vize Johnny Jansen. Beim Derby gegen „die Blauen“, gegen Lissabon oder jetzt gegen die Bayern – die Dänen sind live dabei, wann immer sie können. 1000 Kilometern Fahrt hin und zurück zum Trotz. Nicht weniger enthusiastisch als die Fans am Borsigplatz.

Schon mit 5 im BVB-Trikot

Doch woher stammt die große Liebe? „Ich weiß echt nicht, woher ich das habe“, sagt Naujeck lachend. Fotos zeigen ihn schon als 5-Jährigen im BVB-Trikot. „Ich glaube, ich hatte damals einen Freund, der hat von seinem Vater oder Großvater mal eine Fahne geschenkt bekommen.“ So fing es wohl an.

Johnny Jansen lebt als Däne in Flensburg, nicht ungewöhnlich hier im Grenzgebiet, wo viele Menschen beide Sprachen sprechen, Deutsche in Dänemark sein können, wenn sie sich als Deutsche fühlen. Und umgekehrt. Der 32-Jährige ist auch Mitglied bei den Flensburger Borussen, die es schon vor 2013 gab.

„Irgendwie fand ich den BVB schon immer toll und eines Tages habe ich bei meinem Arbeitskollegen ein großes Tattoo auf dem Fuß gesehen und dachte: Boah“, erzählt Jansen. Der Arbeitskollege war Vorsitzender der Flensburger Borussen und Johnny fortan dabei. „Beim BVB-Spiel in London habe ich dann aber andere Dänen getroffen und da wollten wir eben auch einen dänischen Fanclub gründen.“ Daneben schlägt Johnnys großes Fußballherz auch noch für den FC Midtjylland, einen kleinen Verein, der es immerhin regelmäßig in die Europa League schafft und in der letzten Saison als Dänischer Meister auf Manchester United traf. „Die günstigste Karte kostete da etwa 80 Euro“, erzählt der 32-Jährige. Auf der Südtribüne zahle er 14 Euro. Oder 18. Aber nicht mehr.

Wo 8000 Fans schon viel sind

Fußball  in Dänemark funktioniert anders als Fußball in Deutschland. „Bei uns können sie jedes Spiel im Fernsehen schauen“, erklärt Naujeck. Die Spiele finden tatsächlich alle hintereinander statt, nicht eines läuft parallel. Das ist gut für die Fernsehsender, aber schlecht für die Fan-Kultur. „Ich habe letztens ein Video aus Karlsruhe gesehen. Das ist ein Verein, der spielt seit Jahren in der zweiten Liga. Und dann kommen da 8000 Fans. Das hast Du in Dänemark nie“, schwärmt Naujeck.  Man ist verblüfft. 8000 Fans, das ist nun wahrlich nicht viel.

Doch: Dänemark ist kleiner als Deutschland. Wesentlich kleiner. In ganz Dänemark leben mit 5,7 Millionen Menschen ungefähr so viele wie im Ruhrgebiet (5,1 Millionen) plus Düsseldorf. Allein auf die „Süd“ im Signal Iduna Park passen 24.454 Fans – in Apenrade leben 15.967 Menschen.  32.000 bzw. 38.000 fassen die beiden größten dänischen Fußballstadien Bröndby Stadion und Parken Stadion – beide in Kopenhagen. 5000 (!) Fans kommen im Durchschnitt zu einem Spiel der Super Liga, der dänischen Bundesliga. Viele gehen auch ganz einfach lieber zum Handball, zum Eishockey.  Auf der anderen Seite: Die Atmosphäre auf der Süd, im Signal Iduna Park mit 81.359 Plätzen. Quasi immer ausverkauft.Weltklasse-Fußball.

Wollte man es leicht, wäre man HSV-Fan

Die Tausenden Fans der „Gelben Wand“, die Gänsehaut, die überbordende Leidenschaft für den einen Verein, das ist es, was neben dem Sport die Menschen über alle Grenzen und Sprachbarrieren hinweg in den Bann von Borussia Dortmund zieht. Naujeck: „Da stehst Du auf der Süd neben einer Oma, die den Schiedsrichter genauso anschreit wie Du selbst. Das ist einfach irre. Das gibt es in Dänemark nicht.“ Viele Fußballfans in Süddänemark sind – wie die Menschen auf der deutschen Seite der Grenze – Fans des Hamburger Sportvereins. Für die BVB-Fraktion in Dänemark zählt dagegen: „Nur der BVB“.

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